Kühlmittelverlust am 7DCT300: O Ringe der Getriebekühlleitungen ersetzt

  • Hallo!


    Hatte bei meinem Megane einen kleineren Eingriff und durch etwas Recherche festgestellt wie man da Ersatzteilkosten sparen kann.

    Den Tipp möchte ich euch nicht vorenthalten.

    Arbeitsaufwand - ca 2-3 Stunden wenn man sich gut Zeit lässt und sauber arbeitet.


    Fahrzeug: Renault Mégane IV Grandtour

    Baujahr: 2019

    Motor: 1.3 TCe 160

    Getriebe: EDC / 7DCT300

    Laufleistung: ca. 171.000 km

    Bei meinem Mégane ist mir ein leichter Kühlmittelverlust im Bereich des Getriebes aufgefallen.

    Das Kühlmittel sammelte sich direkt an den beiden Metallrohren, die in das Getriebegehäuse führen.


    Ausgangssituation

    Nach Ausbau der Batterie und des Batteriekastens war die Stelle gut zugänglich.

    Man konnte recht eindeutig erkennen, dass das Kühlmittel unmittelbar im Bereich der beiden Rohranschlüsse stand.


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    Renault bietet für diesen Bereich den kompletten Rohrsatz 216766240R an.

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    Dieser liegt aktuell grob bei 250 bis 300 €, daher war der komplette Austausch für mich keine unmittelbare Option!

    Die eigentlichen O Ringe werden meines Wissens im Renault Ersatzteilkatalog nicht separat als Ersatzteil geführt.

    Da die Metallrohre selbst bei mir keinerlei erkennbare Beschädigungen, Korrosion oder Riefen an den Dichtflächen hatten, habe ich zunächst nur die Dichtungen ersetzt.


    Verwendete O Ringe

    Verwendet wurden:

    Elring 106.320

    • Abmessung: 18,6 × 3,5 mm

    • Werkstoff: EPDM

    • Stückzahl: 2

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    Die Größe hat sich beim Ausbau und direkten Vergleich mit den Originalringen als passend bestätigt.

    Zusätzlich befinden sich an beiden Anschlüssen braune Stützringe.

    Diese waren bei meinem Fahrzeug unbeschädigt und wurden weiterverwendet.

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    Zugang

    Der eigentliche Dichtungswechsel ist relativ einfach.

    Der größere Aufwand besteht darin, überhaupt ausreichend Platz zu schaffen.

    Bei meinem Fahrzeug habe ich unter anderem entfernt beziehungsweise gelöst:

    • Batterie

    • Batteriekasten

    • Ansaugteile im Bereich der Batterie

    • verschiedene Kabelhalter und Leitungsführungen

    pasted-from-clipboard.jpgpasted-from-clipboard.jpg


    Die Kühlmittelschläuche habe ich mit geeigneten Kunststoff Abklemmzangen verschlossen.

    Dadurch ließ sich der Kühlmittelverlust beim Öffnen der Leitungen deutlich reduzieren.


    Ausbau der Kühlmittelrohre

    Die beiden Metallrohre werden gemeinsam über ein Halteblech am Getriebe fixiert.

    Nach dem Lösen der Befestigung können die Rohre vorsichtig aus dem Gehäuse gezogen werden.

    Dabei sollte man darauf achten:

    • Rohre möglichst gerade herausziehen

    • Dichtflächen nicht mit Schraubendrehern beschädigen

    • Aufnahmen im Getriebe sauber reinigen

    • Rohrenden auf Riefen und Korrosion prüfen

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    Zustand der alten O Ringe

    Nach dem Ausbau war der Unterschied zwischen alt und neu sehr deutlich zu erkennen.

    Die alten O Ringe waren sichtbar abgeflacht.

    Der ursprünglich runde Querschnitt hatte sich durch Alter, Temperatur und dauerhafte Verpressung deutlich verändert.

    (links neu, rechts alt)

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    Das entspricht einem typischen Compression Set.

    Der O Ring bleibt nach jahrelanger Verpressung dauerhaft verformt und verliert einen Teil seiner Rückstellkraft.

    Dadurch sinkt die Anpressung zwischen Rohr und Getriebegehäuse.

    Das erklärt, warum die Verbindung irgendwann beginnt zu schwitzen beziehungsweise Kühlmittel verliert.


    Einbau der neuen O Ringe

    Beim Einbau ist mir noch etwas aufgefallen.

    Wenn ich den neuen O Ring zuerst auf das Rohr gesetzt habe, ließ sich das Rohr relativ schwer in das Getriebegehäuse einschieben.

    Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, weil der neue Ring wieder seinen vollständigen runden Querschnitt und entsprechend mehr Vorspannung hat.

    Deutlich einfacher funktionierte bei mir folgende Vorgehensweise:

    1. Stützring korrekt in die Aufnahme am Rohr einsetzen
    2. neuen O Ring in das Getriebegehäuse einsetzen
    3. O Ring leicht mit frischem Kühlmittel benetzen
    4. Rohr gerade ansetzen
    5. Rohr mit gleichmäßigem Druck einschieben
    6. anschließend Halteblech montieren

    Wichtig:

    Die Befestigungsschraube sollte das Rohr nicht erst in das Gehäuse hineinziehen müssen.

    Die Rohre sollten vorher bereits vollständig beziehungsweise nahezu vollständig in Endposition sitzen.

    Flüssige Schraubensicherung habe ich nicht verwendet.

    pasted-from-clipboard.jpg


    Nach dem Einsetzen der neuen O Ringe wurden die Rohre wieder montiert und der komplette Batteriebereich zurückgebaut.


    Nach einer ersten Probefahrt waren beide Rohranschlüsse trocken.

    Damit war bei meinem Fahrzeug tatsächlich nur der Austausch der beiden O Ringe notwendig.

    Der komplette Rohrsatz musste nicht ersetzt werden.


    Fazit

    Wer beim Mégane IV 1.3 TCe mit 7DCT300 Kühlmittel im Bereich dieser beiden Getriebekühlleitungen feststellt, sollte meiner Meinung nach nicht sofort den kompletten Rohrsatz bestellen.

    Zuerst würde ich folgende Punkte prüfen:

    • kommt das Kühlmittel tatsächlich direkt aus den beiden Rohranschlüssen?

    • sind die Metallrohre unbeschädigt?

    • sind die Dichtflächen frei von Riefen und Korrosion?

    • sind die O Ringe sichtbar gealtert oder abgeflacht?

    Bei meinem Fahrzeug haben sich folgende O Ringe als passend bestätigt:

    Elring 106.320

    EPDM

    18,6 × 3,5 mm

    Die vorhandenen braunen Stützringe konnten weiterverwendet werden.

    Natürlich gilt das nur, solange die Metallrohre selbst technisch in Ordnung sind.

    Bei Korrosion, beschädigten Dichtflächen, verbogenen Rohren oder defekten Haltern würde ich den kompletten Rohrsatz ersetzen.

    Ein weiterer Punkt beim 1.3 TCe:

    Falls nach dem Tausch erneut Kühlmittel im Bereich des Getriebes auftaucht, sollte man auch das Thermostatgehäuse prüfen.

    Das sitzt oberhalb beziehungsweise in derselben Region und kann ebenfalls Kühlmittel verlieren.

    Entscheidend ist daher, nach der Reparatur den Bereich sauber zu halten und bei erneuter Feuchtigkeit genau zu prüfen, wo die Spur tatsächlich beginnt.


    Ergänzung der verwendeten Materialien und Werkzeug:

    • 10 mm Stecknuss

    • 13 mm Stecknuss

    • Verlängerungen

    • kleine Ratsche

    • 2Stk BGS Abklemmzangen

    • 3M Schleifvlies

    • Torx Bit für das Halteblech der beiden Kühlmittelrohre

    Genauer Torx E10 und E12 soweit ich es noch im Kopf habe.

    Wer öfter mal am Auto schraubt empfehle ich aber generell zumindest einen kleinen Torx - Satz

    • Auffangwanne bei Bedarf, es kam aber so wenig Kühlmittel raus das ein Rolle Küchenrolle ausreicht

    • geeignete Lampe

    • etwas frisches Kühlmittel -> febi bilstein 26581 Frostschutzmittel Readymix zum Benetzen der O Ringe und Nachfüllen

    Auf passende Freigabe achten! Bei mir ist ist es Mix Typ D bzw Freigabe für Glaceol RX Type D.

    5l habe ich da grundsätzlich immer zu Hause.

    Vielleicht als Hinweis der Vollständigkeit halber: Renault Type E wird heute als Nachfolger von Type D verwendet. Bei einem kompletten zukünftigen Kühlmittelwechsel kann man deshalb auf Type E umstellen.

    Für reines Nachfüllen nach dieser Reparatur würde ich bei einem noch mit Type D befüllten Fahrzeug nach Möglichkeit auch wieder Type D verwenden.


    Renault Megane IV Grandtour TCE160 EDC PF (K9NC) BJ 03/2019

    GT-Line Ausstattung

    RLink2 Software-Version 8.0.32.504

    5 Mal editiert, zuletzt von madmexx ()

  • Ergänzung: Thermostatgehäuse ebenfalls undicht

    Wie oben schon erwähnt, sollte man bei erneutem Kühlmittelverlust im Bereich des Getriebes auch das Thermostatgehäuse prüfen.

    Bei mir war genau das jetzt der Fall.

    Nachdem die beiden O Ringe der Getriebekühlleitungen erneuert waren, blieb der Bereich zunächst trocken. Später zeigte sich aber erneut Kühlmittel im Bereich unterhalb des Thermostats.

    Also nochmal alles aufmachen. Man braucht ja schließlich Hobbys. 😅


    Neues Thermostatgehäuse ist

    110606181R für die komplette Baugruppe

    • Gehäuse
    • Sensor
    • Adapter bzw Blindstecker

    auf dem Gehäuse selbst steht noch 110601231R.

    Material falls es wem interessiert: PA66-GF30 - also glasfaserverstärktes Polyamid.


    Das Thermostat sitzt relativ ungünstig oberhalb des Getriebes.

    Von oben sieht man zwar einiges, zum Ausbau muss aber wieder etwas Platz geschaffen werden.

    Im Grunde die selbe Tätigkeiten wie beim erneuern der O-Ringe

    Zusätzlich noch

    • Schlauchverbindungen

    • Halterungen im Bereich vor dem Thermostat


    Um auch hier den Kühlmittelverlust zu minimieren empfiehlt es sich mit passenden Schlauchklemmen

    die Schläuche welche zum Thermostat gehen sowie den zum Ausgleichsbehälter abzuklemmen.

    Wenn überhaupt kommen beim Abziehen der Schläuche vom Thermostat ca 1 - 1,5l raus


    Das Kühlmittelrohr vor dem Thermostat musste bei mir nicht komplett ausgebaut werden.

    Ich habe die Befestigung sowie eine Schlauchschelle gelöst und das Rohr zur Seite bewegt.

    Das hat gereicht, um an die Schrauben zu kommen und das Thermostat später herauszubekommen.

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    Ausbau des alten Thermostats

    Nach dem Lösen der Schlauchanschlüsse und der Befestigungsschrauben lässt sich das Thermostatgehäuse herausnehmen.

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    Bei meinem alten Thermostat war interessant, dass zwei elektrische Anschlüsse vorhanden waren:

    • Anschluss für den Kühlmitteltemperatursensor

    • zusätzlicher elektrischer Anschluss am Thermostat

    Genau das hat mich beim Vergleich mit dem neuen Ersatzteil kurz stutzig gemacht.

    Alter und neuer Thermostat im Vergleich

    Der neue Thermostat hatte nämlich nur noch einen elektrischen Anschluss.

    Im ersten Moment dachte ich natürlich:

    Super. Falsches Teil bestellt.

    Nach genauerem Vergleich hat sich aber gezeigt, dass das so vorgesehen ist.

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    Beim alten Thermostat war zusätzlich eine elektrische Funktion vorhanden. Beheizter Thermostat.

    Der neue Thermostat arbeitet rein mechanisch und besitzt nur noch den Anschluss für den Temperatursensor.

    Der ominöse Adapterstecker

    Dem neuen Thermostat lag ein Adapter bei.

    Fahrzeugseitig passt dieser Adapter auf den Stecker des alten elektrischen Thermostats.

    Am neuen Thermostat selbst gibt es dafür aber keinen Gegenstecker mehr.

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    Die Lösung ist eigentlich recht simpel:

    Der Adapter ist im Prinzip ein Blindstecker mit integriertem elektrischen Verbraucher.

    Der alte elektrische Verbraucher des Thermostats fällt beim neuen Ersatzteil weg.

    Damit das Motorsteuergerät deshalb nicht unnötig einen Fehler erkennt, wird die elektrische Last über den Adapter simuliert.

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    • alter Thermostat hatte zwei elektrische Anschlüsse

    • neuer Thermostat nur noch den Temperatursensor

    • zweiter Fahrzeugstecker kommt auf den Adapter

    • Adapter bleibt anschließend frei und wird sauber befestigt

    Man sollte ihn so montieren, dass er nicht an heißen oder beweglichen Bauteilen scheuert.

    Dichtfläche reinigen

    Nach dem Ausbau sollte die Dichtfläche sorgfältig gereinigt werden.

    Ich habe die offenen Kühlmittelkanäle vorher mit Küchenpapier verschlossen, damit kein Schmutz oder Schleifstaub hineinfallen kann.

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    Verwendet habe ich:

    • fusselfreie Tücher

    • etwas Bremsenreiniger

    • sehr vorsichtig etwas 3M Schleifvlies

    Wichtig ist dabei:

    • nicht aggressiv schleifen

    • keine tiefen Kratzer erzeugen

    • keine Reste in die Kühlkanäle bringen

    • Dichtfläche am Ende sauber und trocken halten

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    Die Fläche muss nicht aussehen wie frisch gefräst.

    Sauber, plan und frei von alten Rückständen reicht völlig.

    Einbau des neuen Thermostats

    Der neue Thermostat wird anschließend mit der neuen Dichtung eingesetzt.

    Ich habe zuerst alle Schrauben von Hand angesetzt.

    Danach wurde das Gehäuse gleichmäßig angezogen.

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    Wichtig:

    Die Dichtung muss sauber sitzen und darf beim Ansetzen nicht verrutschen.

    Zusätzliche Dichtmasse habe ich nicht verwendet.

    Danach kamen wieder:

    • Kühlmittelschläuche

    • Halterungen

    • elektrische Stecker

    • Adapterstecker

    • Ansaugteile

    • Batteriekasten

    • Batterie

    an ihren Platz.

    Kühlmittel auffüllen und entlüften

    Nach dem Zusammenbau habe ich das Kühlsystem wieder aufgefüllt und entlüftet.

    Verwendet habe ich weiterhin:

    febi bilstein 26581 Readymix

    entsprechend Renault Type D beziehungsweise Glaceol RX Type D.

    Zum Entlüften befinden sich an mehreren Stellen vom Kreislauf Entlüftunsnippel.

    Bei mir hat es gereicht die am Thermostat selbst und vorne am Kühler zu öffnen.

    Durch zusätzliches kräftiges massieren der Schläuche während der Motor läuft aber noch kalt ist

    ist das Entlüften recht schnell erledigt.

    Hinweis: NIEMALS die Entlüftungen öffnen wenn das Kühlmittel heiß ist!


    Danach Motor komplett warmlaufen lassen.

    Kontrolliert habe ich:

    • Heizung wird sauber warm

    • keine ungewöhnlichen Geräusche

    • Temperatur bleibt stabil

    • Thermostatgehäuse bleibt trocken

    • Anschlüsse bleiben trocken


    Nach dem Warmlauf war alles dicht.

    Auch bei der anschließenden Probefahrt gab es keine Auffälligkeiten.

    Fazit zum Thermostat

    • Der Wechsel ist machbar.
    • Der Aufwand ist aber höher als bei den O Ringen der Getriebekühlleitungen.
    • Der eigentliche Thermostat ist nicht das große Problem.

    Der Aufwand entsteht durch:

    • schlechten Zugang

    • viele störende Leitungen

    • wenig Platz für Werkzeug

    • Kühlmittelschläuche

    • Reinigung der Dichtfläche

    • anschließendes Entlüften


    Auch der zunächst merkwürdige Adapter des neuen Thermostats ist offenbar so vorgesehen.


    Für die O Ringe würde ich weiterhin ungefähr 2 bis 3 Stunden ansetzen, wenn man sauber arbeitet.

    Für den Thermostat sollte man eher nochmal 1 Stunde zusätzlich einplanen.

    Ich würde das nicht unter Zeitdruck machen obwohl die Arbeit technisch nicht besonders kompliziert ist.

    Sie ist einfach nur eng, fummelig und irgendwann fragt man sich, warum Menschen Motoren so konstruieren. 😅

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